Die Wissenschaft der Liebe

COMENIUS zeigt sie auf. PESTALOZZI baut für sie die Theorie. MILLER fordert sie für unser Leben. Es geht um die bedingungslose Liebe! So wird gefordert: Wir sollen die Kinder mit Liebe erziehen, und zwar mit bedingungsloser Liebe. 


Nehmen wir es einmal ganz genau. Die bedingungslose Liebe ist ein Idealbild. Doch können wir diese Utopie auch erreichen? Es wäre ein großer Nutzen für die Menschheit. Sie führt nämlich zur Menschlichkeit. Wenn wir alle miteinander menschlich umgehen würden, wäre das nicht schön?

Auch du kannst die Menschlichkeit erlernen. Das heißt, du kannst anderen Menschen mit Nächstenliebe begegnen. Sollte man das auch in der Schule lernen?


Fürsorge und Güte im Schulunterricht statt harter Noten


COMENIUS


Johann Amos Comenius (Komensky)

COMENIUS stellt als Lehrer an die Lehrer sehr große Erwartungen. Das Kind soll mit Freude lernen. Es soll mit Begierde gebildet werden. Latent meint COMENIUS, dass die Lehrer die Kinder, als auch ihre Arbeit lieben soll. Die Kinder sollen durch die Nächstenliebe gebildet werden. Zwar sah COMENIUS als Bischof die Nächstenliebe als einen Weg zu Gott. Aber man kann genauso gut auch das Ziel zur Menschlichkeit anstreben. Das eine geht nicht ohne das andere.

Der Lehrer soll für die Kinder stets verfügbar sein. Er soll sollen ihnen zuhören. Er sollte mit Freude mit und an den Kindern arbeiten, so COMENIUS. 

Doch wie ist es heute im Jahr 2018? Vielen Lehrern fehlt die Freude. Zumal es noch einen Mangel an Lehrern gibt. Wenig Lehrer sind für viele Kinder da. 

Doch die Liebe als Nächstenliebe zu den Kindern ist wichtig. Auch ist es wichtig, dass die Liebe für den Beruf spürbar ist. Die Freude ist auch heute eine wichtige Kraft in der Schule. Der Lehrer kann so viel besser den Unterricht führen. Dann entstehen auch faszinierende Aufgaben für die Kinder. Das wollte nicht nur COMENIUS. Auch die Eltern von heute erwarten das von den Lehrern in der Schule.

COMENIUS geht auch auf die Mutter ein. Er geht dem Gedanken der Mutterliebe nach. Es gibt immer wieder namhafte Wissenschaftler, die die mütterliche Liebe mit in ihre Theorie einbauen. 

Johann Heinrich Pestalozzi


                                                     Johann Heinrich Pestalozzi  


Johann Heinrich PESTALOZZI meint, dass der Mensch in Liebe und Glaube erzogen werden soll. FREUD, der Psychoanalytiker, bezog die Mutter als erste Objektliebe mit in seine Theorie ein.

Sigmund Freud

                                                           Sigmund Freud


Für viele Eltern ist Liebesentzug ein Teil der Erziehung


Was die Liebe im eigentlichen Sinne? Das erklärte kaum ein Wissenschaftler anschaulich. Der Erste, der an dem Thema arbeitete, war Erich FROMM. Er sagt, ein Kind nehme die Liebe von der Mutter schon vor der Geburt auf, also pränatal. 

Erich FROMM


                                                            Erich Fromm

Nach mit der Geburt vertieft sich die Liebe. Das Kind braucht ja auch die Mutterliebe. Es baut so Vertrauen auf. 

Es kann auch Misstrauen entstehen. Diese Auffassung ist der Psychoanalytiker ERIKSON. Und zwar, wenn keine Liebe zwischen Mama und Kind entsteht, dann kommt Misstrauen im Kind auf und der bleibt. Das Misstrauen wird sich dann im Kind verfestigen. Das wird zum ständigen Begleiter.

Die Liebe wird also schon vor der Geburt vom Kind aufgenommen. Sie vertieft sich nach der Geburt vor allem durch die Bindung von der Mutter aus. Doch die eine oder andere Mutter stellt an das Kind Bedingungen. Es solle weniger weinen, oder es solle doch mehr lächeln, es soll jetzt schlafen, es soll lieb sein … 


Vom Blickfeld des Kindes darf der Liebe nichts im Wege stehen. Also weint das Kind weniger und lacht dafür mehr. Es schreibt gute Noten und es ist lieb. Es isst sogar seinen Spinat auf. Das Kind ist somit der Stolz der Familie. Aber unter welchen Bedingungen? 

Das Kind spürt, dass es sich anders verhalten soll. Es verliert den Blick auf das Bedingungslose. Das Kind zieht eine Maske auf und ist so, wie Mama das will. Aber es hat eine Maske auf.


Die Liebe soll also bedingungslos sein.  Geht das überhaupt?

An der bedingungslosen Liebe brütete auch Alice MILLER. Es ist alles andere als leicht bedingungslose Liebe stets und immer in sich zu tragen. Das hat MILLER oft dargestellt.


Alice MILLER


                                                            Alice Miller

MILLER kam zu einer Schlussfolgerung, die es in sich hat. Eltern können nicht perfekt sein. Diese Liebe wäre das Ideal. Es geht also um das Nichtperfektseins der Eltern. Es ist halt so, dass jeder auf seine Familie stolz sein möchte. Um diesen Stolz zeigen zu können, versucht jeder von uns andere Menschen in bestimmte Richtungen zu lenken. 

Die Mutter erwartet nicht nur etwas vom Mann. Sie erwartet auch von Sohn. Er soll gute Noten schreiben. Er soll sein Zimmer aufräumen … Jede Person fordert etwas von sich selbst und von anderen.

Auch der Staat fordert von jedem ein bestimmtes Verhalten. Es werden Erwartungen in der Bildung und der Ausbildung gestellt. Gute Noten, Bravsein ... Auch das Finanzamt erwartet etwas. Man soll Steuern zahlen. Jeder Mensch steht unter Beschuss von Bedürfnissen, die andere an ihn stellen. Die Bedürfnisse von anderen sollten uns auch wichtig sein.

Soll man jetzt seine Steuererklärung mit Liebe machen? Gehen wir von der bedingungslosen Liebe aus, dann heißt die Antwort: ja. Die Steuern werden für Menschen benutzt und ausgegeben. Steuern stellen also etwas Gutes dar.


Eltern stecken in einem Dilemma

Eltern wollen ja auch das Kind bedingungslos Lieben. Zum großen Teil fühlen Mutter und Vater und eine bedingungslose Liebe. Die Liebe kann auch wirklich so seiend sein. 

Es gibt jedoch ein Aber. Wir leben schon zu weit in unserem Rahmen von Regeln und Normen. Wir übertragen unsere Normen auf die Kinder. Daher legen wir schon Säuglingen Regeln auf. Die äußern wir gar nicht so sehr bewusst. Zum Beispiel soll der Säugling oft ruhig liegen, wenn er gewickelt wird. Die Erwartungen an das Kind werden zum großen Teil unbewusst vermittelt. 

Warum erwarten wir von uns und von anderen? Eine erste Antwort gibt Lawrence KOHLBERG.

Lawrence KOHLBERG


                                                      Lawrence Kohlberg

KOHLBERG war Psychologe und Professor in der Erziehungswissenschaft. Er schaute auf die moralische Entwicklung, die ein Mensch durchlebt. Er entwarf ein Stufenmodell. In den ersten beiden Stufen denkt das Kind fast nur an sich. Das Baby ist nur auf sich fixiert.  In der 2. Stufe gibt es unter Geschwistern schon das Motto: Eine Hand wäscht die andere.

Die 3. Stufe bezieht sich auf die Orientierung an instrumentellen Erwartungen. Und zwar in Hinsicht von sozialen Beziehungen. D. h. moralisch handelt der gut, der sich in sozialen Beziehungen an die Regeln und Normen hält. Es gibt in der Stufe ein moralisches Handeln innerhalb der Familie. 

Die 3. Stufe sollte auch jeder Elter selbst innehaben, mindestens. Sonst hat der Elter noch größere Erwartungen egoistischer Art an das Kind. Denn viele Menschen erreichen nicht einmal die 3. Stufe. Daher kommt uns unsere Welt auch oft so egoistisch vor.

Die allzu großen Erwartungen

Erwartungen gehören für die meisten von uns zu dem Leben dazu. Aber wenn der andere nicht das macht, was ich will, dann bin ich erzürnt. Vielleicht vergebe ich ihm nicht ein Mal. Aber bringt mir die Wut etwas? Man sollte nicht alles bewerten. Vor allem sollte man nicht das Verhalten anderer bewerten. 

Wenn, dann sollte jeder Mensch erst einmal seine eigenen Erwartungen erfüllen und bewerten. Muss mein Sohn das wichtige Spiel gegen den Nachbarn gewinnen?…Muss meine Tochter mit den besten Noten nach Hause kommen? Das Wetteifern und die Bewertung dazu haben nichts mit Liebe zu tun. Vergleichen macht unzufrieden. Vergleichen tötet die Liebe. Sind die Eltern streng und hinterher, dann wird aus dem Kind auch etwas. Da kann man dann schon drauf Stolz sein. Jedoch hat das Kind keine bedingungslose Liebe, noch Menschlichkeit gelernt. 


Ein anderer Ansatz der Liebe.

Der Weg der Liebe muss eine andere Richtung nehmen. Der erzieherische Ansatz kann die Liebe nicht entfalten. Die Erziehung besteht halt gerade aus Normen und Regeln. Die muss das Kind lernen. Ein Zusammenleben ohne Normen und Regel können die meisten sich von uns nicht vorstellen. Aber wir können bei den Eltern selbst ansetzen. 

Oft erwarten Eltern auch etwas, das sie selbst in dem jungen Alter nicht erbringen konnten. Die Liebe ist genau das Gegenteil. Ich Liebe dich so wie du bist- ohne Erwartungen. Einfach Lieben!

Lieben ist nämlich ein Gefühl von mir selbst ausgehend. Ich kann einen Baum lieben. Ich kann ein Auto lieben. Ich kann es lieben, weil es einfach da ist. Ich kann genauso einen Menschen lieben. Einfach weil er da ist. Wenn wir das verstanden haben, dann können wir alles lieben. Ich liebe, und ich kann alles lieben, wenn ich liebe. Von dem aus, sollten wir Eltern unsere Kinder lieben. Wir sollten uns an ihnen einfach erfreuen. Wir sollten unsere Kinder lieben, weil sie da ist. Einfach bedingungslos lieben!  

Natürlich soll der Säugling, bis er groß ist, Normen und Regeln lernen. Jeder Mensch sollte das soziale Miteinander verinnerlicht haben. Aber es sollte mit Liebe wachsen. Menschen zu liebenden Menschen erziehen, das ist eine Kunst. Es wäre schön, Menschen zu sehen, die miteinander menschlich umgehen. Das ist das große Ziel der Psychologie und der Bildungswissenschaft.  

Theodor BALLAUFF sieht den Menschen auf dem Weg zur Menschwerdung. Wir stehen zwischen Tier und Mensch. Denn in der Welt gibt es zu viele Menschen, die menschlich nichts Gutes tun. Sie tun anderen weh. Sie nutzen andere aus. Sie sehen nur ihr eigenen Gewinn. Ob Politiker Lehrer oder Rechtsanwälte, viele arbeiten halt nur für das Dogma im Kopf: Fressen oder gefressen werden. Das ist kein menschlicher Zug. Es ist eine tierische Denkart. Das hat nichts mit Menschlichkeit zu tun. Nur die Liebe kann zur Menschwerdung führen. 




Coach: Andreas Kawallek

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