Missbrauch

Der Missbrauch wird schon im Althochdeutschen als „falsch oder böse gebraucht“ verwendet. Ein Mensch kann also falsch oder böse gebraucht werden. Wird ein Mensch missbraucht, dann können Wunden aufreißen, die niemals oder nur sehr schwer verheilen. 

Eine genaue Begriffserklärung für Missbrauch gibt es momentan noch nicht. Es wird immer wieder versucht, den Missbrauch zu definieren. 

Es scheitert aber stets an der Verschiedenheit des Missbrauchs. Missbrauch ist nicht gleich Missbrauch. 

Ob es jemals eine wissenschaftlich anerkannte Definition gibt, ist eher unwahrscheinlich. Denn Missbrauch kann so vielseitig sein. 

Doch wann wird ein Mensch missbraucht? Wenn ein Mensch einen anderen durch psychische oder körperliche Gewalt so sehr ausnutzt, dass er dem Menschen seelisch oder körperlich Leid zufügt.

Es gibt den ... 

- sexueller Missbrauch 

- körperlichen Missbrauch 

- emotionalen Missbrauch

- psychischer Missbrauch

- und seelischer Missbrauch


In der Psychotherapie trifft der Therapeut immer wieder auf Menschen, die vom Missbrauch erzählen. Das Leiden ist nicht nur körperlich schmerzvoll. Die Seele nimmt noch viel mehr Schaden als der Körper. 

Früher nannte man die missbrauchte Person Opfer. Der Begriff ist aber nicht gut gewählt. Viele wollen sich selbst nicht als Opfer sehen. Zurecht! Auch ist die Opferrolle in der Therapie kaum sinnvoll. Viele sprechen deshalb auch vom Seelentod, wie Heinz-Peter Röhr in seinem Buch “Ich traue meiner Wahrnehmung”. Andere nennen die Missbrauchten Überlebende. Diese Bezeichnungen zeigen auf, dass das Leiden eine gigantische Schwere hat. 

In dem Buch “Missbrauchs-Traumata gemeinsam überwinden” setzten sich Nicole Linder und Sabine Thießenhusen mit dem Thema auseinander. Sie sprechen vor allem die psychischen und sozialen Folgen an. Auch wenn der Titel des Buches eine verheißungsvolle Lösung anbietet, finden auch die Autorinnen keine direkte Hilfe. 

Was aber deutlich wird ist, dass der sexuelle Missbrauch katastrophale Auswirkungen auf die Persönlichkeit hat. Der Heranwachsende hat noch kein eigenes und eigenständiges Ich. Eine Persönlichkeit hat sich noch nicht entwickelt. Die Persönlichkeit bricht, bevor sie sich entwickeln konnte. Selbstwertverlust zusammen mit Schuldgefühlen und Scham zerstören das Ich. Vertrauen und Nähe gehen nahezu unwiederbringlich verloren.

Es ist unsere Pflicht diesen Überlebenden zu helfen. Sie dürfen und sollen auch ihr eigenes Leben finden. Das kann man durch eine Psychotherapie erreichen. Aber was noch viel wichtiger ist, dass wir nicht die Augen davor verschließen.  



Andreas Kawallek

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