Ist Intelligenz vererbbar oder kommt es doch auf unsere Erfahrungen an?

Haben Sie es schon gewusst? Viele Jahrzehnte stritten die jeweiligen Fachrichtungen, ob unser Wissen nun genetisch oder sozial vererbt wird. Seit den 60 ziger Jahren galt die genetische Vererbungstheorie für viele als unumstößlich. Doch in der neuesten Zeit kamen Neurowissenschaftler schrittweise auf eine andere Antwort.

Nach neurowissenschaftlicher Ansicht ist der Grundbauplan genetisch festgelegt. D.h. genetisch vererbt ist der Aufbau unseres Gehirns und die Anordnung der Nervenzellen. Doch die Informationen, die von einer Zelle zur nächsten transportiert werden, werden zum größeren Teil durch unsere soziale und materiale Umwelt vererbt. Die Erfahrungen, die wir im Umgang mit anderen Menschen erlernen und die Wohn- und Lernverhältnisse prägen uns.

Die Erklärung gibt uns der Neurowissenschaftler und Psychoanalytiker Mark Solms: Es >>hängt mit der Tatsache zusammen, dass der Grundbauplan der Gehirnorganisation durch unsere Gene zwar gewissermaßen vorgegeben ist, der Gesamtplan aber durch Umwelteinflüsse dramatisch modifiziert wird. Wenn wir an das Hirn eines Neugeborenen denken, sind potenziell unzählige Organisationsmuster möglich, weil es theoretisch unendlich viele Kombinationen gibt, wie sich die Gehirnzellen miteinander verbinden können. Wie sie sich dann tatsächlich vernetzen, ist weitgehend von der individuellen Umwelt abhängig, in der sich das Gehirn entwickelt. Anders formuliert: Unsere Erfahrungen bestimmen, wie sich unsere Neuronen miteinander verbinden.>>¹

Das hilft Ihnen die Psychotherapie

Viele Psychotherapie-Modelle nutzen es aus, dass die Erfahrungen des Lebens den Informationsgehalt der Neuronen beeinflussen. In der Psychotherapie werden durch bestimmte Techniken neue Verbindungen zwischen Neuronen aufgebaut. Durch das Erlernen von neuen und individuell-sinnstiftenden Erfahrungen entstehen neue Verbindungen zwischen Neuronen. Auf diese Weise werden neue Denk- und Verhaltensweisen eintrainiert. Ist eine neue Brücke zwischen den Neuronen entstanden, wird das neue Verhalten häufiger auftreten. Je häufiger das neue Verhalten verwendet wird, desto dicker wird die Brücke zwischen den Neuronen. So wird eine neue Verhaltensweise automatisiert. Das heißt, der Klient muss nicht mehr ganz bewusst das neue Verhalten anstreben. Das neu erlernte Verhalten kommt als Reaktion wie von allein.


Coach und Therapeut

Andreas Kawallek

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¹ Das Gehirn und die innere Welt, Mark Solms, Oliver Turnbull, 2010, S.27