Die Erziehung zur Liebe

COMENIUS deutet es an, PESTALOZZI erklärt es theoretisch und MILLER postuliert es: die Erziehung zur bedingungslosen Liebe. Die bedingungslose Liebe ist ein Idealbild. Doch hat diese Utopie auch einen großen Nutzen für uns. Die bedingungslose Liebe führt nämlich zur Menschlichkeit. Ein Mensch hat die richtige Menschlichkeit erlernt, wenn er anderen Menschen in der Nächstenliebe entgegenkommen kann.


Fürsorge und Güte im Schulunterricht statt harter Noten

COMENIUS stellt als Lehrer an die Lehrkraft große Erwartungen. Das Kind soll mit Freude und Begierde gebildet werden. Unterschwellig meint COMENIUS, dass die Lehrkraft die Kinder, als auch die Lehrtätigkeit lieben soll. Die Kinder sollen durch die Nächstenliebe gebildet werden. Zwar sah COMENIUS als Bischof die Nächstenliebe als einen Weg zu Gott an, aber man kann genauso gut auch das Ziel zur Menschlichkeit anstreben. Die Lehrkraft soll für die Kinder stets verfügbar sein und ihnen zuhören und mit Freude mit den Kindern arbeiten. Vielen Lehrkräften geht die Freude heute abhanden. Doch die Liebe als Nächstenliebe zu den Kindern und zum Beruf ist auch heute die entscheidende Kraft der Lehrer. Durch diese liebende Kraft soll die Lehrkraft motiviert den Unterricht gestalten, mit faszinierenden Aufgaben für die Kinder. Das erwartet nicht nur COMENIUS, auch die meisten Eltern erwarten das von den Lehrkräften.

Auch geht COMENIUS auf die Mutter ein. Er geht dem Gedanken der Mutterliebe nach. Es gibt auch immer wieder namhafte Wissenschaftler, die die mütterliche Liebe mit in ihre Theorie einbauen. PESTALOZZI forderte, dass der Mensch in Glaube und Liebe erzogen werden soll. FREUD, der Psychoanalytiker, bezog die erste Objektliebe mit in seine Theorie ein.


Für viele Eltern ist Liebesentzug ein Teil der Erziehung

Doch erklärte keiner der erwähnter Wissenschaftler anschaulich genug, was die Liebe im eigentlichen Sinne ist. Der erste, der sich mit dem Liebesbegriff genauer beschäftigt hat, war Erich FROMM. Das Kind nimmt die Liebe von der Mutter schon vor der Geburt auf- so genannt pränatal. Nach der Geburt wird diese Liebe weiter vertieft. Das Kind benötigt die Mutterliebe um Vertrauen aufzubauen. Der Psychoanalytiker Erikson meint, dass Misstrauen beim Kind entsteht, wenn sich die Liebe nicht richtig zwischen Mutter und Kind entwickeln kann.

Die Liebe wird also schon vor der Geburt vom Kind aufgenommen und wird nach der Geburt vor allem durch die Bindung zur Mutter vertieft. Wenn die Mutter jedoch in irgend einer Weise Bedingungen auf das Kind richtet, wie es solle weniger weinen, oder es solle doch mehr lächeln, es soll jetzt schlafen, es soll lieb sein..., dann spürt das Kind in der Übertragung, dass es sich anders verhalten soll. Vom Blickpunkt des Kindes darf der Liebe nichts im Wege stehen. Also weint das Kind weniger und lacht dafür mehr. Es schreibt gute Schulnoten und es ist lieb. Es isst sogar seinen Spinat auf. Das Kind ist somit der Stolz der Familie. Aber unter welchen Bedingungen. 


Perfekt geht nicht

Mit dem Thema der bedingungslosen Liebe beschäftigt sich Alice MILLER ausführlich und tiefgreifend. Die bedingungslose Liebe ist also an keine Bedingungen geknüpft. Dass die aufrichtige Liebe schwer zu entfalten ist, hat MILLER häufig dargestellt. MILLER kam zu der Schlussfolgerung des Nichtperfektseins der Eltern. Das Problem ist, dass jeder auf seine Familie und am besten auch auf seine Gesellschaft stolz sein möchte. Um diesen Stolz präsentieren zu können, versucht jeder einzelne von uns andere Menschen in bestimmte Richtungen zu lenken. Dabei werden Erwartungen an andere gestellt. Von jedem Individuum werden Erwartungen an sich selbst und an andere gestellt. Auch der Staat als höchste Funktion erwartet von jedem Staatsbürger bestimmte Verhaltensweisen in der Schule, der Ausbildung und im Berufsleben. Jeder Mensch steht unter Beschuss von Bedürfnissen, die andere an ihn stellen.


Eltern stecken in einem Dilemma. 

Einerseits wollen Eltern das Kind bedingungslos Lieben und zum großen Teil fühlen Mutter und Vater und andere Verwandte eine bedingungslose Liebe. Die Liebe kann definitiv vorhanden sein. Andererseits leben wir Erwachsenen schon so weit in unserem Rahmen von Regeln und Normen, dass wir sie im automatischen Sinne übertragen. Daher legen wir schon Säuglingen Regeln auf, die wir gar nicht bewusst äußern. Zum Beispiel, soll der Säugling häufig ruhig liegen, wenn er gewickelt wird. Die Erwartungen an das Kind werden zum großen Teil unbewusst vermittelt. 

Der Wissenschaftler kann jetzt hinterfragen, warum wir Menschen überhaupt Erwartungen stellen. Einen ersten Ansatz bietet KOHLBERG.

KOHLBERG fand ein Stufenmodell der moralischen Entwicklung des Menschens. So hat der Mensch in der 3. moralischen Entwicklungsstufe eine Orientierung instrumenteller Erwartungen in Hinsicht von zwischenmenschlichen Beziehungen. D.h. moralisch handelt derjenige, der sich in zwischenmenschlichen Beziehungen an die Regeln und Normen hält. Diese moralische Stufe sollte auch tunlichst jedes Elternteil selbst erreicht haben. Ansonsten hat das Elternteil noch größere Anforderungen an das Kind. 

Erwartungen gehören zum Leben. Aber man sollte nicht nur von anderen das Verhalten bewerten. Wenn überhaupt, sollte jeder Mensch erst einmal seine Erwartungen bewerten. Muss mein Sohn das wichtige Spiel gegen den Nachbarssohn gewinnen?…Muss meine Tochter mit den besten Noten nach Hause kommen?…Das Wetteifern und die darin enthaltene Bewertung hat nichts mit Liebe zu tun, sondern tötet die Liebe. Auch durch eiserne Strenge kommt ein Kind auf die Erfolgsschiene. Jedoch hat das Kind keine bedingungslose Liebe, noch Menschlichkeit gelernt. 


Ein anderer Ansatz der Liebe

Der Weg muss demnach eine andere Richtung einnehmen. Ein erzieherischer Ansatz ist nicht die Erwartungen an das Kind zu richten, sondern zu fragen, was das Kind will und kann. Häufig erwarten Eltern etwas, das sie selbst nicht einmal erbringen können und in Kindertagen erst recht nicht vollbringen konnten. Die Erziehung zur Liebe ist genau das Gegenteil, ich Liebe dich genauso wie du bist- ohne Erwartungen. Einfach Lieben! Lieben ist nämlich ein Gefühl von mir selbst ausgehend und nicht von einem anderen. Ich kann einen Baum oder einen Menschen lieben, einfach weil er da ist. Von dieser Überlegung aus,  sollten wir Eltern unsere Kinder Lieben. Wir sollten unsere Kinder lieben, weil sie da sind. Einfach bedingungslos Lieben! 


Liebe ist die beste Voraussetzung der Menschlichkeit

Natürlich soll der Säugling bis zum selbstständigen Erwachsen lernen Normen und Regeln zu kennen und zu akzeptieren. Jeder Mensch sollte die sozialen Systeme verinnerlicht haben. Aber mit Liebe beigebracht und nicht auf Kosten der Liebe hinein gehämmert bekommen. Sozialisieren Sie das Kind sinnvoll und weniger schmerzhaft. Menschen zu liebenden Menschen erziehen, die miteinander menschlich umgehen und in ihrer Menschlichkeit aufgehen, das ist das Ziel der Psychologie und der Bildungswissenschaft. BALLAUFF sieht den Menschen auf dem Weg der Menschwerdung zwischen Tier und Mensch. Denn in der Welt gibt es zu viele Menschen, die nicht im Namen der Menschlichkeit handeln. Politiker, Richter oder auch Geistliche, Lehrkräfte, Rechtsanwälte oder Beamte, die für sich, aber nicht für die Menschen handeln. Fressen oder Gefressen werden ist definitiv kein menschlicher, sondern ein tierischer Zug und hat somit nichts mit Menschlichkeit zu tun. Nur die Liebe kann zur Menschwerdung führen. Wobei Liebe von Besitz, Sexualität, Bedürfnissen, Mitleid, Freiheit, Lebensbedingungen und Systemen zu unterscheiden ist. Die Liebe ist ein Einzelbegriff. Liebe ist nicht alles, aber alles Gute kann in Liebe entstehen.


Coach und Therapeut für Psychotherapie

Andreas Kawallek

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